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Das französische Hochschulsystem

Allgemein

Für deutsche Studierende ist das französische Hochschulsystem teilweise sehr schwer zu durchschauen, da es wesentliche Unterschiede zum deutschen Hochschulsystem mit sich bringt. Um diese Schwierigkeiten in Zukunft besser umgehen zu können, hat die Europäische Union im Rahmen des sogenannten Bologna-Prozesses begonnen, das Studiensystem innerhalb der EU auf ein einheitliches Niveau zu bringen. Diese Reformen mit dem Ziel die Studiengänge und Abschlüsse der einzelnen Länder vergleichbar zu machen, finden auch in Frankreich relativ großen Zuspruch. Viele französische Hochschulen bieten bereits entsprechende Studiengänge an, die hier allgemein als
LMD (licence, master, doctorat / Bachelor, Master, Doktor) bezeichnet werden.

Ähnlich wie in Deutschland ist in Frankreich die Umstellung gerade erst vollzogen worden oder noch in vollem Gange. Wer also in Frankreich studieren möchte, muss sich mit dem aktuellen französischen System vertraut machen.

 

Die verschiedenen Hochschulen / Zusatzinformationen

Wenn Sie in Frankreich studieren möchten, ist es ganz besonders wichtig den Unterschied zwischen einer Universität (université), einer technischen Hochschule (Institut Universitaire de Technologie) und einer Elitehochschule (Grande Ecole) zu kennen.

Die Grandes Ecoles oder auch Ecoles Supérieures sind Elitehochschulen, die meistens auf eine oder wenige Fachrichtungen spezialisiert sind. Die Aufnahme an einer solchen Hochschule erfolgt nach ganz speziellen Aufnahmeverfahren, den sogenannten Concours. Alle Kandidaten müssen sich schriftlichen und mündlichen Prüfungen unterziehen. Anschließend wird entschieden, wer einen Studienplatz erhält. Die Anzahl ist vorher festgesetzt. Um sich auf diese Aufnahmeprüfungen vorzubereiten, gibt es an zahlreichen Lycées oder auch direkt an der jeweiligen Ecole die Classes Préparatoires.
Die Aufnahme von deutschen Abiturienten in eine solche vorbereitende Klasse ist ziemlich schwer und wahrscheinlich auch nicht sinnvoll. Haben Sie sich aber nach eingehenden Überlegungen dazu entschlossen, ein volles Studium an einer Grande Ecole aufzunehmen, dann können Sie es natürlich dennoch versuchen.

 

Die Universitäten in Frankreich haben, wie auch in Deutschland ein sehr umfangreiches Angebot an Studiengängen. Sie untergliedern sich in einzelne Fachbereiche, die als Unité de Formation et de Recherche oder Facultés bezeichnet werden.

Die Instituts Universitaires de Technologie sind den staatlichen Universitäten angegliedert, bilden aber relativ eigenständige Einheiten. Die meisten bieten berufsqualifizierende Studiengänge an oder bereiten auf die "concours" vor, die in Frankreich jeder absolvieren muss, der in den öffentlichen Dienst eintreten möchte. Einige wenige dieser Institute genießen einen Sonderstatus, der in etwa einer "Grande Ecole" entspricht.
Für medizinische Studiengänge sowie Kunst, Musik und Architektur gibt es spezialisierte Hochschulen ("Ecoles Spécialisées"). Auch hier müssen die Studenten ein Aufnahmeverfahren (schriftliche Prüfung, Bewerbungsschreiben, Vorstellungsgespräch, "Concours, Dossier, Entretien") durchlaufen. Die Dauer des Studiums variiert zwischen drei und sechs Jahren.

Für weitere Infos siehe Seite der Deutsch-Französischen Hochschule 

Die Faculté de Droit, Sciences Politiques, Economie et Administration umfasst die Fachbereiche Recht, Wirtschaft, Politik und Verwaltungswissenschaften. Zur Faculté des Lettres, Arts et Sciences Humaines gehören die Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Faculté des Sciences et Technologies umfasst die Fachbereiche Sportwissenschaften, Human- und Zahnmedizin, Informatik, Pharmazie, Natur- und Ingenieurwissenschaften.

 

Studienaufbau/Studienabschlüsse

Allgemein kann ein Studium in Frankreich zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten mit verschiedenen Diplomen abgeschlossen werden. Zur Vereinfachung wird das erreichte Niveau nach der Formel
bac+ (Abitur + Jahre des begonnenen Studiums), also nach Anzahl der Studienjahre (bac+1, bac+2, etc.) ausgedrückt.

In Frankreich unterteilt sich das Studium an den Universitäten in drei große Abschnitte, die "cycles". Sie entsprechen in etwa der deutschen Unterteilung in Grund-, Haupt- und Aufbaustudium.

Der "1er cycle" umfasst zwei Studienjahre (vier Semester). Er dient der Einführung in ein Studienfach und dem Erwerb erster Grundkenntnisse.

Die technischen Hochschulen (Instituts Universitaires de Technologie - IUT) bieten Kurzstudiengänge, die filières courtes an, die vor allem der Ausbildung von Technikern und Assistenten der Industrie- und Dienstleistungssektoren dienen. Nach üblicherweise zwei Jahren endet das Studium mit dem Erwerb des Diplôme Universitaire de Technologie (DUT). Fachspezifische, kurze Studiengänge in Bereichen des Dienstleistungssektors und der Industrie werden auch an Lycées und privaten Einrichtungen angeboten und führen beispielsweise zum Brevet de Technicien Supérieur (BTS). Zu den kurzen Studiengängen zählt auch die Licence Professionnelle. Sie wird von Universitäten, aber auch von privaten Einrichtungen angeboten und dauert in der Regel drei Jahre.

Der 2ème cycle umfasst die beiden folgenden Jahre. Er dient der Vertiefung der Kenntnisse und einer ersten Spezialisierung. Dieser Abschnitt unterteilt sich wiederum in zwei getrennte Studienjahre. Das erste schließt mit der Licence ab; das zweite mit der Maîtrise, einem Abschluss der unserem Diplom oder Magister entspricht. Neben einigen Prüfungen muss auch eine Abschlussarbeit, eine Mémoire de maîtrise, verfasst werden.

 

 

Wer die Maîtrise, bzw. das Niveau bac+4 erreicht hat, der kann eine Bewerbung zum 3ème cycle einreichen.

In einem einjährigen Aufbaustudium kann entweder ein Diplôme d‘Etudes Supérieures Spécialisées (DESS bzw. Master) erworben werden, das der praxisorientierten Vertiefung erworbener Studieninhalte dient – meist wird im Anschluss an das Studium ein längeres Praktikum gefordert; außerdem ist auch hier eine schriftliche Arbeit zu verfassen und/oder ein Projekt allein oder in Gruppenarbeit zu realisieren – oder das Diplôme d‘Etudes approfondies (DEA bzw. Master de recherche), das die fachlichen Fundierung und Betreuung einer eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit vorsieht.
Für die Aufbaustudiengänge des 3ème cycle kann es eventuell auch eine limitierte Studienplatzanzahl geben. Die Bewerber werden durch Eignungsprüfungen oder Gespräche ausgewählt (Sélection sur épreuve et/ou sur entretien).

Die Filières courtes sind nur für diejenigen interessant, die unmittelbar nach dem Abitur in Frankreich eine Ausbildung machen wollen, die ähnlich einer Lehre in Deutschland ist. Außerdem benötigen Sie dafür bereits sehr gute Französischkenntnisse.

 

Das Studium findet in Frankreich innerhalb eines akademischen Jahres statt. Seit einiger Zeit ist man auch in Frankreich zu einer Organisation in Semestern übergegangen. Die Studierenden schreiben sich dennoch immer für ein ganzes Studienjahr ein, das im Oktober anfängt und im Juni endet. Ein Studienanfang im Februar/März ist normalerweise nicht möglich.
 

 

Aufnahmeverfahren/Bewerbung

Als Vorraussetzungen für ein Studium in Frankreich müssen Sie einen höheren Schulabschluss haben, für Deutsche gelten die allgemeine Hochschulreife/das Abitur sowie Kenntnisse der französischen Sprache (Sprachtest, ausreichende Note im Leistungskurs Französisch im Abitur, baccalauréat français, europäisches oder deutsch-französisches Abitur, Diplôme Approfondi de Langue Française).

Generell ist zu unterscheiden, ob man in Frankreich ein Voll- oder ein Teilstudium absolvieren möchte. Für ein Teilstudium empfiehlt sich der Einstieg ins Hauptstudium, also in den 2ème cycle oder aber ein Zusatzstudium, 3ème cycle. Die Zulassung zum jeweiligen Studium erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise.

Wenn Sie sich für ein Vollzeitstudium entschieden haben, können Sie alle für Sie interessanten Universitäten direkt anschreiben, um Bewerbungsunterlagen anzufordern. Hierzu verfassen Sie eine Demande de Dossier d’inscription pour admission directe en 1er cycle.

Für einen späteren Einstieg ist das Zulassungsverfahren etwas komplizierter. Die Universität, an der Sie sich einschreiben wollen, entscheidet eigenmächtig und in Anlehnung an die per Abkommen geregelte Anerkennung von Studienleistungen zwischen Deutschland und Frankreich, ob Sie in das gewünschte Studienjahr bzw. für den entsprechenden Studiengang zugelassen werden können. Dafür stellen Sie einen Antrag auf Anerkennung bereits erbrachter Studienleistungen, ein Dossier de demande d´équivalence ou Dossier de demande de reconnaissance des acquis.
Sie benötigen dafür folgende Unterlagen:
- Bewerbungsschreiben,
- Geburtsurkunde mit Übersetzung (oder internationale Geburtsurkunde)
- beglaubigte Kopien und Übersetzungen von Abschlüssen, Scheinen; etc.

Über die Zulassung und Einstufung entscheidet der pädagogische Ausschuss von Professoren des Fachbereichs. Die Zusage über die Zulassung wird dann vom Präsidenten der Hochschule genehmigt und dem Bewerber schriftlich in einer lettre d’acceptation mitgeteilt. (Sie sollten dann die Annahme des Studienplatzes möglichst schriftlich in einer Lettre de confirmation bestätigen).

Die Einschreibung gliedert sich in zwei unterschiedliche Etappen; die Inscription administrative und die Inscription pédagogique (Zusammensetzung des Lehrplans und Einschreibung für die Prüfungen).
Die Einschreibung erfolgt in der administrativen Abteilung der Universität, der Scolarité.
Sie benötigen dafür folgende Unterlagen:
- eine Bescheinigung über Ihre Kenntnisse der französischen Sprache
- Geburtsurkunde mit Übersetzung oder internationale Geburtsurkunde)
- Ihren Personalausweis oder Pass
- mehrere Passphotos
- einen Nachweis der Kranken- und Sozialversicherung
- ggf. Nachweis des Studienstandes
- Originale bzw. beglaubigte Kopie und Übersetzung der Zeugnisse, der Hochschulreife, der Zwischenprüfung etc.

Wenn Sie Ihr Studium in Deutschland abgeschlossen haben und sich entschließen, eine Doktorarbeit in Frankreich zu schreiben, müssen Sie mit weiteren Problemen rechnen. In Frankreich wird in diesem Fall ein DEA vorausgesetzt. Man wird dieses Diplom auch von Ihnen erwarten, was bedeutet, dass Sie noch ein zusätzliches Studienjahr einplanen müssen, bevor Sie mit Ihrer Arbeit beginnen können.


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Eine Veranstaltung der Deutsch-Französischen Hochschule